geschichte
[Geschichte] [Burg und Dorf]

Burg und Dorf Fürth am Berg

Vom hohen Altertum bis zur Neuzeit.                                                                                                    nachRichard Gerlicher

 

Schon Cäsar und säter Tacitus (100 Jahre nach Christi) schreiben in ihren German.Aufzeichnungen (Vergl. G. Jul. Caes. De bello gallico 6,24 u. 25, C. Corn. Tacit. Cap. 28) daß ein unermeplich großer Wald von Rhein und Main bis zu den Alpen, in solcher Breite sich in östl. Richtung, in einer Größe, die nicht angegeben werden kann hinzöge, Sie berichten, dass, wer auch 40 Tagesreisen in ihm hineingedrungen sei immer noch icht sagen könne wo er aufhöre. Sie nannten diesen Wald den „Hercynischen-Wald“. Tacitus sagt ferner; Zwischen den Hercynischen Wald und den Flüssen Rhein und Main haben die Helvetier und weiter hinauf die Boier, ein gallischer Volksstamm, ihren Sitz genommen. Demnach müssen schon die alten Römer geführt haben. Unser Steinachtal, als die verlängerte Mainlinie in östlicher Richtung, lag somit am Rande dieses rieseigen Waldgebietes. Zu jener Zeit waren die tieferliegenden Talsohlen fast durchweg noch versumpft und für schwere Fahrzeuge unpassierbar. Straßen in unserem heutigen Sinne gab es nicht. Der wenige Verkehr zog sich daher ausnahmslos auf den Höhenzügen dahin. Nachdem aber auch Mensch und Tier nicht ohne gesundes Wasser leben können, entstanden ganz zwangsläufig die ersten Ansiedlungen immer an Wasserläufen, in der Nähe und entlang solcher befahrbarer Höhenzüge.

Auch die sogen. „Neustader Heide“ war füher ein großes, unwegsames Moor- und Supfgebiet, welches noch im 12. Jarhhundert in einer bischöflichen Urkunde vom Jahre 1162 als von der Linie: Horb, Mupper, Gefell, Steinbach, Sonneberg (Sonneberg hatte damals auch die Zusatzbezeichnung Sonneberg an der Haide) Effelder, Fischbach, Rottenbach bis zum Fußweg von Fechheim nach Mupperg umschrieben war. Dieses Gebiet mußte also umgangne werden. Es ist daher mit Sicherheit anzunehmen, dass schon zu Zeiten des Tacitus die römischen Heere bei ihrem Vordringen nach Osten hier durchgezogen und den Höhenzug von Lichtenfels über Sonnefeld, Fürth, Mogger, Rohof nach Judenbach benutzt haben. Der Höhenzug von Mogger über Rohof nach Steinbach heißt daher heute noch die „Hohestraße“ verschiedentlich auch „Heerstraße“.

Mit zunehmender Sielungsdichte ist dann hieruas eine der ältesten Handelsstraßen von Nürberg nach Leipzig entstanden. Zwangsläufig mußten diese Handelswege auch einige, quer zur allgemeinen Richtung liegende Flußtäler überwinden. Man suchte möglichst flache Stellen mit festem Untergrund heraus. Eine solche Stelle war hier im heutigen Fürth am Berg gefunden. Es entstand schon im hohen Altertum hier eine Siedlung an der ständig benützten Furt. Es mögen zunächst nur primitive Übernachtungshäuser gewesen sein. Da es damals öffensichtlich nur wenige Flußfurten gab, hieß die Siedlung einfach „V I U R T“. Eine nähere Bezeichnung war nicht notwendig.

In der Zeit der Völkerwanderung erfolgen auch hier erhebliche Verschiebugnen in der eingesessenen Bevölkerung. Sie im einzelnen aufzuführen würde weit über den Rahmen dieser Schrift hinaus gehen.

Erst mit dem 6. Und 7. Jahrhundert entwickelte sich das große Siedlungsgebiet der „Fränkischen Stämme“. Es umfaßte ganz Ostfrankreich und Westdeutschland in breiter Mitte. Hieraus entstand erst im 8. Jahruhundert das große Fränkische Reich uner Karl dem Großen. Mit ihm aber kam auch erstmals eine gewisse Ordnung und Aufteilung der einzelnen Siedlungsgebite in Kaiserliche Verwaltungsgebiete. Im Östlichen Franken war Bamberg der Sitz eines Kaiserlichen Markgrafen. Ihm unterstanden die Gaugrafen und diesesn wieder die Centgrafen als unterste staatliche Verwaltungsbehörde. Coburg und unsere engere Heimat gehörten zum Gebiet des Gaugrafen vom Grabfeldgau. Mit zunehmender Siedlungsdichte wurden kleinere Gaugebiete geschaffen und es entstand der Banzgau, welcher gerade für unsere Gegend jahrhundertelang von entscheidender Bedeutung war. Schon längst hatte man zum schutze der mehr und mehr an Bedeutung gewinnenden Handelsstraßen Zoll- und Schutzburgen errichtet. Für die Unterhaltung der Straßen und Flußübergänge wurden von den Benützern der Straßen Zölle erhoben. Schon frühzeitig war auch zum Schutze der „Viurt“ eine stattliche Burg auf dem direkt hinter der Furt aufsteigenden Berg errichtet worden. Zur Unterscheidung von anderen Furten erhielt sie den Namen „Viurtenberg“.

 

westlicher ortsteil

Will man die Geschichte des Dorfes Fürth am Berg schreiben, so muß man mit der Burg Fürthenberg beginnen. Sie war es, die Werden und Entwicklung des Dorfes bestimmte. Zum Amts-Gerichts undVerwaltungssitz des Kaiserl. Hochstifts Bamberg gehörten Burg, Schloßberg und das Dorf als unmittelbarer Besitz.

In den Aufzeichnungen von Kirchen rat Lotz in seinem Buche: „Die Pfarrei Mupper“, wird Fürth als eines der ältesten Dörfer in der Umgebung bezeichnet, das urkundlich schon im Jahre 1071 mehrere Jahrhunderte alt war.

Als im 11. Jahrhundert die Erblichkeit der Gauländer eingeführt wurde, machten sich die bis dahin „Kaiserlichen Gaugrafen“ in dem Maße mehr und mehr zu eigenen Besitzern dieser Gebiete, wie die Macht der weltlichen Kaiser zerfiel. Sie verfügten über diese Gebiete ganz nach egenem Ermessen. Der ehemals Kaiserliche Banzgau wurde daher im 11. Jahrhundert ohne weitere Nachfrge in eien Bamberg-Würzburgische Abtei umgewandelt. Es kam jene lange unglückliche Zeit, während welcher sowohl die weltlichen, wie auch die Kirchlichen Fürsten nebeneinander regierten und jeder für sich Abgaben erhob und Anweisungen herausgab. Die dauernden Streitigkeiten wurden aber immer auf den Rücken der verarmten Bevölkerung ausgetragen. Das Dorf Fürth, wie es nunmehr geschrieben wrude, hatte hierunter ganz besonders zu leiden, weil die Herren sich immer um die scheinbar nicht unbedeutenden Einnahemn aus dem Handelszöllen stritten. Die Schloßherren selbst unterstanden immer den bischöfen zu Bamberg. Als obrigkeitliche, weltliche Herren traten in wechselnder Reihenfolge die Markgrafen vom Grabfeld, von Henneber, die Herzöge von Meran, die Markgrafen von Brandenburg (13. Jh.), die Markgrafen zu Meißen (14.Jh.). Die Herrschaft Coburg ersien in langer Folge com 12. Bis 17 Jahrhundert unter dieser weltlichen Oberhoheit.

Dorf und Schloß Fürttenberg war schon im frühen Altertum eines der begehrtesten Kleingebiete in weiterer Umgebung. Die Bedeutung wuchs im gleichen Maße, wie sich der Verkehr auf der alten Handelsstreße Leipzig – Nürnberg steigerte. Lange Wagenkolonnen übernachteten regelmäß9g in der geräumigen Wirtschaft und Brauerei zu Fürttenberg. Unter dem Schutze der Burgwachen fühlten sich die Kaufleute sicher. So hat denn auch schon 1359 der Burggraf Albrecht von Nürnberg die Burg zu Fürttenber zu halben Anrecht gekauft. Es heißt uner 8(X): Berhold Schenke gestattet Burggrafen Albrecht zu Nürnberg als Herrn der Pflege Coburg, das Öffnungsrecht im halben Theile des Schlosses Fürttenberg (aus v.Schult. Cob. Landesgeschichte des Mittelalters und Beilagen LXXXVII). d. 12.Nov. 1359

Wegen seiner offensichtlichen Bedeutung kam es zu ununterbrochenen Streitigkeiten zweischen dem Hause Sachsen (Coburg), den Hennebergern und den bischöfen zu Bamberg und Würzburg, Bischöfliches Militär zu Kronach wurde öfter zum Schutze der in jener Zeit ausschließlich unter der Gewalt der Bischöfe stehenden Burg Fürttenberg herangeholt. Im hohen Alter war die Burg Fürttenberg schon Sitz eiens Kaiserl. Beamten, der in Verwaltung und die Justiz über einen größeren Bezirk, dessen Endpunkte im Osten Neukenroth, im Süden Beikheim waren, ausübte. Auch Ort und Rittergut Liebau waren Fürttenberg frohn und lehnspflichtig. In den entsrechenden Urkunden wird stets von einem „Ambt“ Fürttenberg geschrieben.

Die beiden Bauernkriege gingen auch an Ort und Burg Fürttenberg nicht sprulos vorüber. Der Ort wurde zum großen Teil zerstört, die Burg wohl weniger, denn in einer Urkunde vom Jahre 1528 heißt es wörtlich: „Der nach Norden ziehende Teil der Bauern hatte der Burg einen schlimmen Besuch zugedacht. Sie sind abernoch glimpflic mit dieser „Veste“ umgegangen, dieweil sie in der Hauptsache die reichlich vorhanden gewesenen Weinfässer bis auf die Untergrundtiefe geleert haben, sodaß die Burg wieder hergerichtet und vollkommen in Brauch ist“

Vom 13. Jh. bis zum 17 Jh. War die Burg selbst abwechselnd von den Rittern von Siemau, von Schaumberg, von Rosenau, von Redwitz, von Brandenbuerg, von Würtzburg u.s.w. bewohnt. Es geht dies aus vielen Urkunden der Jahre 1383  vom 15. März aus Cob. Landesgesch. Des Mittelalt. S. 95, Urkunde XCIV. Urkunden von 1502, 1590, 1616, 1659 u.s.w. hervor. Vergl. Auch Jos. Hellersche Feformat. Geschichte des ehemal. Bistums Bamberg. (Sihe auch Lotz Seite 110,111).

Im 30järigen  Kriege war das Schloß Fürttenberg noch bewohnt und gut erhalten. Seinem offenen, schloßartigen Charakter hatte es wohl die Burg zu verdanken, daß sie von den nach Kronach ziehenden starken schwedischen Truppen, die dicht unterhalb des Schloßberges biwakierten, nicht angegriffen wurde, obwohl die Burgherren noch katholisch waren.

In einer Urkunde v. 1528 (Beilage CXVIII) heißt es: Also sind Fürthhenberg und Niederfüllbach dem Styft Bamberg zulehn gemacht, und doch onmittelbar in Churfüstl. Obrigkeit dys Ortlandes gelgen. u.s.w.

In einem Receß v. 18. Aug. 1601 zwischen Hochstift Bamberg und dem Hause Sachsen werden unter Punkt 6 in langen Ausführungen die beiderseitigen Rechte an Dorf und Schloß Fürttenberg erneut festgelegt.

 

östlicher ortsteil

Die bedeutung dieses Amtes und Schlosses Fürttenberg muß doch recht erheblich gewesen sein, ansonst hätte man sich wohl nicht so oft an höchster Stelle die Mühe gemacht, so viele Verträge auszuhandeln und zu unterzeichnen. So schreibt Kirchenrat Lotz auf Seite 103 seines tiefschürfenden Werkes: „Wer weiß ob ein mit 4 Pferden bespannter Wagen in Stande wäre, alle die Akten aufzuladen, die zweischen Coburg und Bamberg wegen der gegenseitigen Rechte zu Fürth geführt worden sind“. Das mag übertrieben sein, aber es wirft ein bezeichnedes Licht auf den damaligen Wert und die Bedeutung von Burg, Gut und Ort Fürttenberg.

Im Lehnbuch des Amtes Fürttenberg von 1573 bis 1593 heißt es betr. Des Lehnplicht eines Häuslers von Liebau unterm 2. Maij wörtlich: „Und ist schuldig uffn Ambthaus Fürttenberg, do gefangen Leuth droben werden, oder sunsten Feindschaft im Land were, zu wachen. Doch soll man ihm wie andere Dienstboten die Cost geben.“ – Hieraus geht eindeutig hervor, dass auf der Burg auch ein Gefängis war und die Untertanen des Abtsbezirkes zur Vertidigung des Schlosses verplichtet waren. (Lotz S. 201 aus 13a(XVa) Extract aus dem Fürstl. Bamberg. Urbario des Ambts Fürthenberg de anno 1570.)

Das trotz des umfangreichen und man sollte meinen übersichtlichen Receßes von 1601 die alten Streitigkeiten zwischen dem Hochstift Bamberg und dem Hause Sachsen nicht beendet waren, mag daraus zu ersehen sein , dass gar oft wegen des Verlesens des sogen. „Kirmeßfriedens zu Fürth“ welche Handlung als ein Hoheitsrecht betrachtet wurde, das Coburgische Militär gerbeigerufen werden mußte. Da sollte der „Kirmesfrieden?“ gar oft ein kriegerisches Aussehen bekommen. Die Wahrung der beiderseitigen Rechte erbrachte oft solche Spannungen, dass der alte´n Überlieferung nach, öfter Kanonen aufgefahren wurden.

Das Intresse Bambergs ließ erst dann nach, als im Laufe des 17. Jh. Neue große Straßen in gerader Linienführung vom Main über Coburg – Neustadt – Sonneberg im Tal entlang gebaut wurden und sich Handel und Verkehr schnell dorthin verlagert hatten. Es ist wohl anzunehmen, dass Coburg, des dauernden Streites müde, viel zum Ausbau dieser neuen Straße beigetragen hat. Das Rittergut Fürth, nach Lotz auf dem linken Steinachufer gelegen, wurde dann um etwa 1740 vom damaligen Besitzer, dem Bischof zu Bamberg, an die Bauern und Einwohner von Fürth und Umgebung in einzelnen Stücken verkauft. Daher heute ncoh der Name Herrnfelder und Herrnwiesen. Es sind dieses die besten Grundstücke im Flur. Die Burg und der gesamte Fürther Schloßberg blieben aber im Besitz des Bischofs. Die Jagd brachten die damals in Mitwitz sitzenden Herren von Würtzburg an sich. Die zu jener zeit noch recht bedeutende Fischereigerchtigkeit aber wurde Eigentum der Gemeinde in ihrer ganzen Flurgemarkung und vom Lindenbach selbst durch das ganze liebauer Rittergut. Von dieser Zeit an war auch die Burg nicht mehr bewohnt, weil bereits ein leichter erreichbares Amtshaus im Ort selbst errichtet war. (Heutiges Heymann/Puff´sches Anwesen.)

Ein weiterer wichtiger Zeitabschnitt für Burg und Ort Fürthenberg entstand, als im Napoleanischen Zeitalter die geislichen Staaten säkularisiert (aufgelöst) wurden. Das Stift Bamberg und mit ihm auch Ort und Schloß Fürthenberg ging in das Besitztum der Krone Bayern (König v. Bayern) über. Es trat dann der Sächsisch-Coburgische Einfluß in Fürth mehr zurück, denn ei kleiner Fürst konnte sich wohl nicht gut über ein königliches Dorf und Schloß als Souverän behaupten. Dieser Zustand dauerte aber nur kurze Zeit. Um das Dorf Fürth endgültig zu besitzen, wurde unter verzicht auf andere Rechte, im Vertrag vom 21. August 1811, welcher am 28. September von beiden Souveräns besätigt wurde, Fürth endgültig dem Hause Sachsen-Coburg übereignet.

Mit dem Abschlß dieses Vertrages  kehrte auch für das Dorf Fürth ednlich Ruhe und Frieden ein. Von der Jahrhunderte Doppelherrschaft und der damit verbundenen erhöten Belastungen befreit, entwickelte sich schnell ein gewisser Wohlstand, Das Bewußtsein, sich nun frei entfalten zu können, spornte alle zum doppelten Fleiß an. Die hierdurch einsetzende rasche Aufwärtzsentwicklung im Einzelnen aufführen zu wollen würde weit über den Rahmen dieser Schrift hinaus gehen. Das Vereinsleben in unserem Dorfe ist sehr rege. Es sind vorhanden: 1 Gesangverein 1868; 1 Soldatenkameradschaft 1874; 1 Raiffeisenkasse mit modernsten Schalter- und Lagerräumen: 1 Turn- Spiel- und Sportvereinigung e. V.; 1 Sanitätskolonne; 1 Freiwilliger Feuerwehrverein; 1 Fischereigenossenschaft Steinachtal; 1 Gartenbauverein und eine Schützengesellschaft. In allen Vereinen sind Mitglieder aus den umliegenden kleineren Dörfern vertreten.

Zusammenfassend kann wohl gesagt werden:

Fürth am Berg, ein ehemals unter doppelter Frohn verarmtes Bauern- und Arbeiterdorf, ist unter C-burger Verwaltung in kurzer Zeit zu einem aufstrebenden Industrieort geworden. Es beherbergt außer gut gehenden Handelsgeschäften und Gewerbebetrieben auch mehrere kleine Industrieunternehmen. Die Bauernhöfe haben sich den Zeiterfordernissen weitest gehend angepasst und sich auf Spezial-Zuchtbetriebe umgestellt.

Es lebt hier ein aufgeschlossenes, fleißiges und strebsames Völkchen, das nicht nur zu arbeiten ver-steht, sondern nach saueren Wochen auch gerne fröhliche Feste feiert.